DAF

Running Order Slot:

Tag: 03.09.2016

Bühne: 4.Bühne - Weidenbogenbühne

Politisch war es um die Deutsch Amerikanische Freundschaft manchmal nicht allzu gut bestellt. Dafür ist sie künstlerisch heutzutage stabiler als je zuvor. Wobei es ganz so aussah, als ob es die künstlerische Deutsch Amerikanische Freundschaft nie mehr geben würde. Aber wie so oft im Leben kam alles ganz anders…

Hinter DAF – wie wir die Deutsch Amerikanische Freundschaft fortan der Einfachheit halber nennen wollen – verbergen sich seit Gründung dieses Projekts im Jahre 1978 die beiden so unterschiedlichen wie innovativen Musiker Robert Görl, der für sämtliche Kompositionen sowie Schlagzeug und Elektronik zuständig ist, und Gabi Delgado-Lopez, Texter und Sänger des Duos. Robert und Gabi trafen sich im legendären Düsseldorfer Punk-Szenetreff „Ratinger Hof“, diskutierten eine Nacht lang über das Konzept einer radikal neu-orientierten Band und beschlossen von da ab, am Konzept von DAF zu feilen.

„Wir hatten uns schnell verständigt“, erinnert Gabi sich an jene DAF-Gründer-Phase, „quasi über Nacht hatten wir das Konzept für diese Sache erarbeitet. Und das lautete: Wir sind eine Punk-Band, doch nicht gitarren-lastig, sondern voll-elektronisch. Wir kennen englische und amerikanische Gruppen, doch wir sind keine Imitation davon. Wir sind eine Formation aus Deutschland, doch mit der Kultur dieses Landes haben wir ebenfalls nicht viel zu tun. Wir sind nichts weiter als aufregend und neu.“ Unter dieser Prämisse nahmen DAF im Laufe von nur vier Jahren fünf Alben auf, die sich blendend verkauften, die sie zu Wegbereitern der sog. „Neuen Deutschen Welle“ machten und die sie selbst im als deutsche Band nur schwer zu erobernden britischen Markt zu Stars und gar Titelhelden des „New Musical Express“ avancieren ließ. Zum ersten Mal zierte 1982 eine deutsche Band die Titelseite eines englischen Magazins. Die Zukunft – dessen waren sich alle sicher – würde DAF gehören.

Doch DAF wollten damals die Zukunft nicht für sich buchen. Das Duo trennte sich stattdessen kurzerhand voneinander. „Wir wussten damals, wir hatten dieses Bild namens DAF zu Ende gemalt und wollten nicht weiter in ein fertiges Bild rein kritzeln“, erinnert sich Robert Görl heute, „deshalb ließen wir die Sache damals einfach ruhen. Offiziell getrennt haben DAF sich allerdings nie. Wir wollten dieses Projekt erst dann fortführen, wenn wir ein neues Gemälde beginnen konnten, wenn wir erneut etwas Wegweisendes zu verkünden hätten.“

Im Jahre 2002 war der Zeitpunkt gekommen, an dem Robert und Gabi „etwas Wegweisendes zu verkünden“ hatten – nach zu hören auf einem neuen Album, so schlicht wie genial „Fünfzehn Neue DAF-Lieder“ betitelt. Die Scheibe enthielt genau den Sound, für den DAF berühmt-berüchtigt war und der gerade durch seine klassische Zeitlosigkeit nichts an Originalität eingebüßt hatte. Da ist er wieder, der aggressive Sprechgesang von Gabi, unterlegt vom monoton-treibendem Schlagzeugbeat sowie der bedrohlichen Elektronik von Robert Görl. Bösartigkeit durchzieht diese Musik, Sinnlichkeit, Sehnsucht und die Lust an der Provokation. Aktuelle Trends waren Görl und Delgado-Lopez– wie stets – egal, ihnen geht es nach wie vor um die Neuerfindung ihrer selbst. Einzige Neuerung im radikalen „DAF-Konzept“: Die Texte waren länger als bislang von Gabi gewohnt ausgefallen.

Gabi bringt das DAF-Konzept auf den Punkt: „Wir machen Musik für den Hintern wie fürs Hirn. Musik, die rhythmisch und intelligent zur gleichen Zeit ist. Hauptsache, sie bewegt.“ DAF-Songs liebt man abgöttisch oder hasst man abgrundtief. „Es gibt kein Dazwischen“, analysiert Delgado-Lopez das eigene Werk, „so soll es sein.“

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